28. Mär 2017

Mit der nationalen Kampagne #Woodvetia werden landesweit bekannte Persönlichkeiten (hier Marie Tussaud) in Form einer lebensgroßen Holzskulptur in verschiedenen Holzarten hergestellt und laufend enthüllt. ©Bild: Woodvetia

Andreas Keel, Geschäftsführer Holzenergie Schweiz: «In verschiedenen Kantonen darf die Holzasche nicht mehr deponiert werden. Immer mehr werden «Schlupflöcher» gesucht.» ©Bild: T. Rütti

Wunsch: Die Bereitschaft, das ökologische und wirtschaftliche Bewusstsein der Nutzung von Schweizer Holz zu überdenken und einen kleinen Aufpreis zu leisten. Beat Reichen, Frutigen. ©Bild: T. Rütti

Nationalrat Erich von Siebenthal, Präsident BEO HOLZ, der Berner Oberländer Arbeitsgemeinschaft für das Holz. ©Bild: T. Rütti

Dr. Michael Geelhaar, Moderation, Thomas Läderach, Präsident Holzindustrie Schweiz, Andreas Keel, Holzenergie Schweiz, Hans Stauffer, Forstbetrieb Sigriswil, NR Erich von Siebenthal, Heinz Beer, Beer Holzbau AG. ©Bild: T. Rütti

Gut 70 Fachleute der Schweizer und vor allem Berner und Berner Oberländer Holz- und Forstwirtschaft sowie aus dem holzverarbeitenden Gewerbe wollten sich über Branchennews informieren lassen. ©Bild: T. Rütti

Holztag 2017: Von Kleinstrukturen über Pellets und billigen Importen bis zu #Woodvetia

(©TR) Die regionale Verbundenheit ist eine klare Stärke der Forstbetriebe. Das Agieren in Kleinstrukturen wirkt sich aber auf viele Bereiche negativ aus. Das ökologische und wirtschaftliche Bewusstsein der Nutzung von Schweizer Holz sollte überdacht werden, wurde am Holztag vom 17. März 2017 in Münsingen geäussert. Ein kleiner Aufpreis gegenüber ausländischen Holzerzeugnissen würde der Branche mehr Luft verschaffen, denn sie leidet unter der starken ausländischen Konkurrenz.


Am Holztag vom 17. März 2017 Münsingen der BEO Holz und der Aktion Wald und Holz Kanton Bern nahmen über 70 Vertreter der Holzbranche teil. Erich von Siebenthal, Präsident von BEO Holz, der Oberländischen Arbeitsgemeinschaft für das Holz, stellte die Wichtigkeit des Zusammenhalts in den Vordergrund. Auch Andreas Keel von Holzenergie Schweiz sorgte mit seinem Referat für Diskussionsstoff.

Die Referenten Hans Stauffer, Betriebsleiter Forstbetrieb Sigriswil, Thomas Lädrach, Präsident Holzindustrie Schweiz, Heinz Beer, Geschäftsführer Beer Holzbau AG und Andreas Keel, Geschäftsführer Holzenergie Schweiz, zeigten auf, wo überall der Schuh drückt. «Die regionale Verbundenheit ist eine klare Stärke der Forstbetriebe. Das Agieren in Kleinstrukturen wirkt sich aber auf viele Bereiche negativ aus.» Für Hans Stauffer hat die Wirtschaftlichkeit oberste Priorität. Auch Thomas Lädrach, Präsident der Holzindustrie Schweiz, illustrierte mit einem Musterbeispiel, wo es noch Schnittstellen zu optimieren gilt. Die Sägereien sind auf die zeitgerechte und professionelle Rohstofflieferung angewiesen. Im Gegensatz bietet aber auch eine Annäherung an die Holzbauer grosses Potential. Heinz Beer, Vertreter der Holzbauer, befindet sich in einem boomenden Markt. Das enorme Wachstum hat seine Folgen: Die Aufträge werden grösser, die Realisierungs- und Vorlaufzeit immer kürzer. Der Einkauf vom Rohstoff Holz hat einen entscheidenden Einfluss auf den Preis. Er sieht noch vermehrt Potential in Ausschreibungen mit Schweizer Holz ohne Alternativen.

Mit überraschenden Mitteln sensibilisieren

Die Ressourcenpolitik Holz des Bundes hat zum Ziel, mehr Holz aus dem Schweizer Wald zu nutzen. Den betroffenen Akteuren aus der Wald- und Holzbranche ist dabei klar, dass nur ein Weg zielführend ist: Gemeinsam sensibilisieren und zwar mit überraschenden Mitteln und unter Einbezug der Bevölkerung. «Langfristig und gemeinsam für Schweizer Holz» – so ein Slogan der Schweizer Wald- und Holzbranche. Ab 2014 hat sich die «Initiative Schweizer Holz» zu entwickeln begonnen. Mittlerweile ist die gesamte Holzkette involviert. Entgegen mancher anderer Branche wird in der Waldwirtschaft in längeren Zeitdimensionen gearbeitet. Ein Förster plant stets für die nachfolgende Generation. Bäume, die von ihm gepflegt wurden, erntet erst sein Nachfolger. Wenn die Organisation BEO Holz einen Wunsch frei hätte, würde dieser wie folgt lauten: «Dass man das ökologische und wirtschaftliche Bewusstsein der Nutzung von Schweizer Holz überdenkt und sodann die Bereitschaft erbringt, einen kleinen Aufpreis gegenüber ausländischen Holzerzeugnissen zu leisten, der unser Umwelt, der Sicherheit und der Wirtschaft zugutekommt.» Dies sagte Beat Reichen aus Frutigen, Vorstandsmitglied BEO Holz und Präsident VSSM Sektion Berner Oberland; Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten.

Neukonzeption der kantonalen Holzförderung
Der Kanton richtet sich neu aus: Das Kantonale Amt für Wald Kanton Bern arbeitet an einer Neukonzeption der kantonalen Holzförderung. Die Branche will sich für diese Bestrebungen rüsten. In den von Michael Gautschi moderierten Workshops diskutieren die Teilnehmenden die wirkungsvollsten Tätigkeitsfelder innerhalb der Holzkette. Die Ideen gehen der Holzbranche nicht aus. Altbekannte und neue Ansätze zeigten künftige Handlungsfelder auf. Massnahmen zur Sensibilisierung für die Verwendung von Schweizer Holz sind weiterhin gefragt. So investiert auch das Bundesamt für Umwelt in diesen Bereich. Mit der von Claire-Lise Suter vorgestellten nationalen Kampagne #Woodvetia werden landesweit bekannte Persönlichkeiten in Form von lebensgrossen Holzskulpturen in verschiedenen Holzarten hergestellt und an passender Stelle aufgestellt. Die Kontaktmöglichkeit, die mediale Inszenierung und die Integration der Social Media Kanäle soll die Bevölkerung nachhaltig erreichen. Zu erfahren war dies von Jolanda Küng, Geschäftsführung BEO Holz und Aktion Wald sowie Holz Kanton Bern.

Kreislauf statt Raubbau: Heizen mit Holz!

Für Andreas Keel, Geschäftsführer der Holzenergie Schweiz, gilt es, die vorhandenen Trümpfe zu bewahren. Ein Potential bietet die Herkunft der Holzschnitzel und ihre Qualität. Der Schweizer Wald ist jedoch auch als Schutz vor Naturgefahren, als Naherholungsgebiet und als Lieferant des nachhaltigen Rohstoffs Holz wichtig. Aber: Viel zu oft bleibt dieser Schweizer Rohstoff im Wald stehen und ungenutzt. Besonders wegen des starken Frankens wird immer mehr Holz für die Verarbeitung importiert. Dabei könnte hierzulande viel mehr Holz geerntet werden, ohne dem Wald zu schaden. Die Wald- und Holzbranche und das Bundesamt für Umwelt BAFU haben deshalb im vergangenen Januar in Bern die Kampagne #Woodvetia lanciert. Sie will die Bevölkerung dafür gewinnen, bei Neubauten, bei Umbauprojekten oder beim Kauf von Möbeln auf Schweizer Holz zu setzen.

Versorgungssicherheit unseres Landes erhöhen

Andreas Keel unterstrich das Anliegen von Holzenergie Schweiz, nämlich eine vernünftigen Energiepolitik: «Wir wollen das Klima schützen, die Versorgungssicherheit unseres Landes erhöhen und unsere Volkswirtschaft stärken. Weg vom fossilen Raubbau, hin zu erneuerbaren und umweltfreundlichen Energiequellen - so heisst das Gebot der Stunde. Wer mit Holz heizt, unterstützt all diese Ziele auf einmal. Und Holz ist genügend vorhanden. In der Schweiz kann der Brennholzverbrauch problemlos verdoppelt werden, ohne die Wälder zu strapazieren. Im Gegenteil: Wir halten die Wälder damit fit und gesund.» Umsteigen auf Holz als Wärmequelle sei eine kurzfristig realisierbare Massnahme, die eine grosse Entlastung bringe und dabei erst noch der Volkswirtschaft diene. Holzenergie Schweiz macht sich auch stark für ein zukunftsfähiges Heizen mit Pellets. Kurz: Die Pelletproduktion wertet Holzreststoffe auf und macht sie in praktischer Form für den Wärmemarkt verfügbar:

  • Verwendung der erneuerbaren Energiequelle Holz
  • Klimaneutrale Verbrennung
  • Kostenstabiler Brennstoff
  • Komfortable Lösung mit automatischem Heizbetrieb
  • Volkswirtschaftlich sinnvoll, da die Wertschöpfung im Inland bleibt.

Nutzungspotenzial nur zu zwei Dritteln ausgeschöpft
Zur klimapolitischen Bedeutung: Die gesamten CO2 Emissionen der Schweiz lagen 2015 bei 34 Mio. Tonnen. Mit dem Einsatz der Holzenergie lassen sich jährlich immerhin 3 Mio. Tonnen CO2 einsparen. Im Wärmemarkt nimmt Holz nach Heizöl (45,7 Prozent) und Erdgas (24,4 Prozent) Rang Nummer 3 ein mit 10.6 Prozent Anteil. Ferner: Umgebungswärme, elektrische Widerstandsheizungen, elektrische Wärmepumpen, Fernwärme, Kohle, Solar. Andras Keel erwähnte in seinem Referat auch das riesige Nutzungspotenzial von Holz, das allerdings nur etwa zu zwei Dritteln ausgeschöpft werde: Waldholz 1.0 Mio. m3/Jahr; Landschaftsholz 0.5 Mio. m3/Jahr; Restholz (Holzverarbeitung) 0.3 Mio. m3/Jahr; Altholz 0.5 Mio. m3/Jahr; Exporte 0.4 Mio. m3/Jahr. An verfügbarem Energieholz stünden 7 – 8 Mio. m3/Jahr zur Verfügung. Der Holzenergiestatistik zufolge wurden 2015 indessen 4.9 Mio. m3/Jahr verwendet. Oder anders gesagt: Das Nutzungspotenzial wurde nur zu zwei Dritteln ausgeschöpft.

Deponieren von Holzasche steht zur Debatte

Was die Entsorgung von Holzasche anbelangt, herrscht laut Holzenergie-Schweiz-Geschäftsführer Andreas Keel grosse Unsicherheit beim Vollzug. Trümpfe würden leichtfertig aus Spiel gesetzt. Dann die Verteuerung um Faktor 3 bis 4, das heisst 0.2 Rp/kWH wie bisher, sondern 0.6 bis 0.8 Rp./kWh. In verschiedenen Kantonen darf die Holzasche nicht mehr deponiert werden; sie muss bei den Entsorgern gelagert werden. Immer öfter werden folglich «Schlupflöcher» gesucht, «bestraft» werden diejenigen, die die Holzasche korrekt entsorgten. Aktueller Stand: Der Vollzug der entsprechenden Vorschriften soll noch um 5 Jahre ausgesetzt werden. Die Eigenwerbung von Holzenergie Schweiz lautet: «Beratungen zum Thema Holzenergie und Heizen mit Holz sind unsere Kernkompetenz. Ihre Anliegen und Fragen beantworten wir gerne.» Mit geballten Kräften und einer gemeinsamen Vision will die Wald- und Holzbranche die Haltung der Bevölkerung zu Schweizer Holz langfristig positiv beeinflussen und festigen.

Kampagne Woodvetia >>

©Text: Toni Rütti, Redaktor ee-news.ch

 

 

 

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