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18. Jan 2022

Preisentwicklung seit Januar 2008: Der seit 2014 herrschende harte Konkurrenzkampf unter den Lieferanten hat nun ein jähes Ende. Im Januar betrug der Durchschnittpreis 431.10. Bild: pelletpreis.ch

Brennstoffvergleich Januar 2008 bis Dezember 2020. Pellets sind immer noch günstiger als Heizöl und Gas, auch nach dem Anstieg im Januar. Bild: pelletpreis.ch

pelletpreis.ch: Gestiegene Rohstoffkosten und hohe Nachfrage befeuern Pelletpreise

(PM) Die Pelletpreise sind zwischen Dezember und Januar um 9 % auf CHF 431.10* pro Tonne gestiegen. Im Vorjahresvergleich betrug der Anstieg sogar knapp 20 %. Seit 2008, dem Start des unabhängigen Portals www.pelletpreis.ch, waren die Preise noch nie so hoch. Zu den Hauptgründen des rasanten Anstiegs gehören höhere Rohstoffkosten und die rasch steigende Nachfrage.


Im Januar 2014 erreichten die Pelletpreise gemäss www.pelletpreis.ch mit durchschnittlich CHF 420.30 pro Tonne letztmals den bisherigen Höchstpreis seit 2008. Seither bewegten sich die Preise nur noch in eine Richtung: Sie sanken stetig und erreichten im Juli mit CHF 329.00 pro Tonne den Tiefststand seit 2008. Der harte Konkurrenzkampf unter den Lieferanten hat nun ein jähes Ende. Nicht etwa, weil sich die Lieferanten am hohen Heizölpreis orientieren – was seit 2008 noch nie der Fall war (siehe Brennstoffvergleich >>) – sondern weil verschiedene Faktoren zu den aktuell hohen Preisen geführt haben.

Weiter günstiger als Heizöl und Gas
Laut einiger Lieferanten zeichnete sich der Preisanstieg schon im Frühsommer 2021 ab, da die Lager weniger gut bestückt waren als in den Jahren zuvor. Aufgrund der lang anhaltenden tiefen Preise wurde auch nicht genügend in eine höhere Produktion investiert. Zudem haben Förderprogramme für Pelletheizungen, die 2020 schweizweit eingeführt wurden, gepaart mit den hohen Heizöl- und Gaspreisen im Jahr 2019 dazu geführt, dass sich viele Hausbesitzerinnen und -besitzer, die bis anhin auf weiter niedrige Heizöl- und Gaspreisepreise gesetzt hatten, für eine erneuerbare Wärmequelle entschieden haben. Pellets sind übrigens auch nach dem Preisanstieg immer noch günstiger als Heizöl und Gas. Denn diese sind nach einem Tief 2020 im Jahr 2021 wieder stark gestiegen.


Plus 20% in Deutschland
Die Verteuerung von Holzrohstoffen wie Spänen führt im Januar 2022 in Deutschland zu einem weiteren Anstieg des Pelletpreises. Pellets kosten bei Lieferung von 6 Tonnen (t) im Bundesdurchschnitt 366.58 Euro/t, wie das Deutsche Pelletinstitut (DEPI) berichtet. Das entspricht einer Steigerung von 20.9 Prozent gegenüber dem Vormonat und von 54.0 Prozent zu Januar 2021. Dennoch besteht weiterhin ein deutlicher Preisvorteil gegenüber den fossilen Energieträgern Gas (rd. 26 Prozent) und Öl (rd. 17 Prozent). Ein Kilo Pellets kostet 36.66 Cent, die Kilowattstunde (kWh) Wärme 7.33 Cent.


Als würden fossile Heizungen morgen verboten
Pelletheizungen gingen und gehen immer noch weg, als würden fossile Heizungen tatsächlich demnächst verboten, erzählte mir ein Pelletkesselproduzent. Dazu kommen auch immer mehr Pellet-Grossheizungen mit Leistungen von über einem Megawatt, ist in der Branche zu vernehmen. Eine Heizung der Megawattklasse entspricht rund 50 Heizungen eines durchschnittlichen Einfamilienhauses. Je mehr Pelletheizungen, umso mehr Pellets braucht es. Das leuchtet jedem ein, kommen noch Grossheizungen dazu, treibt das die Nachfrage zusätzlich an. Doch die Entwicklung ging schneller voran als erwartet.


Alle wollen Holz
Ein weiterer Faktor: Seit letztem Frühling findet ein solcher Run auf Holz statt wie schon lange nicht mehr. Im April 2021 meldete Holzindustrie Schweiz, dass die Holzpreise weltweit steigen (siehe ee-news.ch vom 14.4.21 >>). Und auch die Task Force Wald + Holz + Energie der Holzindustrie Schweiz wies im Mai darauf hin, dass die internationale Nachfrage nach Holzprodukten sprunghaft zunehme (siehe pelletpreis.ch vom 19.4.21 >>). Auch das Sägemehl aus der Holzverarbeitungsindustrie, aus dem die meisten Pellets hergestellt werden, wurde im Sommer 2021 teurer. In der Schweiz stiegen die Preise der Rohstoffe ebenfalls, jedoch moderater als im angrenzenden Ausland, wo Sägemehl fürs Pelletieren kaum mehr erschwinglich ist.

Auch im angrenzenden Ausland
Nicht nur in der Schweiz, sondern auch in unseren Nachbarn sorgen steigende Heizöl- und Gaspreise sowie Förderprogramme dafür, dass die Branche, die in den letzten 20 Jahren stetig, aber recht konstant gewachsen ist, einen wahren Boom erlebt. Pellets sind schon längst zum internationalen Handelsgut geworden. Schweizer Pellethändler kaufen gerne auch „änet“ der Grenze ein, weil das angesichts des überbewerteten Frankens sehr interessant ist. Zudem reicht die Schweizer Produktion nicht, um dem Bedarf in der Schweiz zu decken. Doch wenn dann plötzlich alle mehr Pellets wollen und die Produktion in der Schweiz und in den Nachbarländern nicht mithält, steigen die Preise. Das hatten sich übrigens viele Produzenten und Händler schon länger gewünscht, denn die geringen Gewinnmagen und der harte Preiskampf gingen an die Substanz. Doch einen so starken Preisanstieg wie im Moment finden die wenigsten gut.

Recht kühles Wetter
Die Holzindustrie im In- und Ausland war zudem im letzten Sommer aufgrund der sehr hohen Nachfrage so gefordert, dass sie einige die Revisionen ihrer Produktion auf den Winter verschob. Was jetzt zu weniger Produktion und damit auch zu weniger Rohstoff führt. Zudem ist der Winter 2021-2022 bis auf die rekordwarmen Weihnachtstage und die Altjahrwoche doch recht kühl, das heizt die Nachfrage weiter an. Ein Lieferant erklärte mir, dass man über die Festtage eine kurze Verschnaufpause verspürt habe, aber dass diese bereits wieder vorbei sei. Die für die nächste Woche angekündigten Temperaturen um den Gefrierpunkt werden keine Entlastung auf dem Pelletmarkt bringen. Käme noch ein richtiger Kälteeinbruch dazu, würde das die Preise weiter anheizen.

ENplus-Pellets für Strom
Nördlich der Schweiz werden Industriepellets gemeinsam mit Kohle auch für die Stromproduktion verwendet. Mit Strompreisen, die sich innert Jahresfrist auch aufgrund der hohen Gas- und Kohlepreise zeitweise um einen Faktor 20 verteuert haben, wurden nun gemäss einem Branchenkenner aus Österreich auch ENplus zertifizierte Pellets in den Kohlekraftwerken verstromt. Sprich: Statt der minderwertigen Industriepellets werden die hochwertigen ENplus-Pellets, die eigentlich für Kleinfeuerungen gedacht sind, vor Ort wieder zertrümmert und mit der Kohle verbrannt, um Strom zu produzieren. Und dies mit einem Wirkungsgrad von rund 30 %, die Pelletierung nicht mit eingerechnet!

Keine kalten Stuben
Trotz der grossen Nachfrage konnten alle Kundinnen und Kunden Pellets einkaufen. Insbesondere kleine, regionale Lieferanten, die selber pelletieren, haben ihre Preise, die nicht immer zu den günstigsten gehören, nicht angehoben und ihre treuen Kunden zu den üblichen Preisen, allenfalls mit einem kleinen Aufschlag, bedient. Schnäppchenjägerinnen und -jäger, die immer auf der Suche nach dem günstigsten Preis waren, müssen jetzt wohl tiefer in die Tasche greifen.

Tiefer Wärmebedarf
Sicher wird der Preisanstieg zu einem Investitionsschub führen, der mittelfristig die Preise wieder etwas sinken lässt. Damit die Branche aber gesund wächst, braucht es höhere Preise als die der vergangenen Jahre. Zudem ist die beste Versicherung gegen Preisanstiege – neben einem genügend grossen Pelletlager – ein tiefer Wärmebedarf. Wer baut oder renoviert, sollte auch das im Auge behalten. Denn Einsparungen bei der Wärmedämmung müssen Hausbesitzerinnen und -besitzer dann jedes Jahr von neuem in Form von Brennstoff- oder Strompreisen bezahlen. Ein gut isoliertes Dach sowie eine gute Wärmedämmung gegen das Kellergeschoss gepaart mit einer Dreifachverglasung der Fenster senkt die Heizkosten im Winter über Jahre und schützt auch im Sommer vor Wärme. Denn der nächste Sommer kommt bestimmt!

*Alle Preise: Durchschnittpreis pro Tonne inkl. MWST und Lieferung

Text: Anita Niederhäusern, Herausgeberin pelletpreis.ch und ee-news.ch

1 Kommentare
> alle lesen
Diem Hu. @ 06. Feb 2022 19:17

Ist es nur eine schlechte Vorahnung, dass auch Pellets aus der Schweiz zum Spielball der int. Rohstoffmärkte werden könnten?
Gibt es keine Möglichkeiten sich dem zu entziehen, und eigene Resourcen hie zu behalten?

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