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14. Jan 2021

Lukas Bühler, Geschäftsführer der TIBA AG will das Umweltzeichen Blauer Engel für eine emissionsarme Wohnraumfeuerung. Bild: TIBA AG

Aus der Region für die Region: Stückholz aus dem Schweizer Wald, Bild: Holzenergie Schweiz

Pferdefuss der Holzenergie: offene Cheminées sind oft Feinstaubschleudern. Bild:: Holzenergie Schweiz

Holzenergie Schweiz: Blauer Engel für Wohnraumfeuerungen - ein Forschungsprojekt

(Holzenergie Schweiz) «Wir werden einen Holzofen für die gute Stube bauen, der nur noch extrem wenig Schadstoffe ausstösst.». Das sagt Lukas Bühler, Geschäftsführer der TIBA AG. Damit wäre das letzte Argument gegen Wohnraumfeuerungen vom Tisch. Ein Forschungsprojekt namens «Blauer Engel für Wohnraumfeuerungen» soll die bereits vorhandenen Ideen und Konzepte bis 2023 in ein marktfähiges Produkt umsetzen.


«Kleine, handbeschickte Holzheizungen sind dafür verantwortlich, dass die klimaneutrale, nachwachsende Holzenergie im Zusammenhang mit der Diskussion um die Feinstaubbelastung unserer Luft im Gerede ist. Veraltete Öfen und offene Cheminées können tatsächlich Dreckschleudern sein. Und wenn jemand feuchtes oder belastetes Holz oder gar Abfälle verfeuert und die Luftzufuhr seines Ofens falsch einstellt, verwandelt er selbst eine moderne und gute Wohnraumfeuerung in eine Feinstaubschleuder.» Das weiss Lukas Bühler, Geschäftsführer der 1902 gegründeten TIBA AG, die seit Generationen innovative kleine Holzheizungen und Herde baut und ergänzt: «Es ist die Kombination von veralteter Technik und unsachgemässem Betrieb kleiner Holzheizungen, die zur überproportionalen Luftverschmutzung führt.»

Spiegel des technischen Standes und des Verhaltens ihrer Betreiber
Zur Illustration formuliert Bühler einen Vergleich: «Es ist genau das Gleiche wie bei den Autos: Laufen Sie einer Strasse entlang und ein Oldtimer fährt vorbei: Er ist zwar schön anzuschauen, stinkt aber ganz gewaltig. Nicht auszudenken, wenn alle Fahrzeuge immer noch eine derart schlechte Verbrennung mit hohen Emissionen hätten.» Auch bei den kleinen Holzöfen ist die Entwicklung zum Glück nicht stehen geblieben: Viele Produkte erlauben schon heute einen schadstoffarmen Betrieb und stossen bei korrekter Betriebsweise nicht nur sehr wenig sondern auch weniger toxischen Feinstaub aus. Alle Produkte der seriösen Anbieter erfüllen schon heute die Anforderungen der Luftreinhalte-Verordnung LRV. Bühler möchte aber noch einen Schritt weitergehen und betont: «Es ist wichtig, den Einfluss der Personen, die den Ofen betreiben, zu reduzieren. Das heisst, die Verbrennungsprozesse und die Behandlung der Abgase mit technischen Massnahmen zu standardisieren und zu automatisieren. Dabei muss das Produkt bezahlbar bleiben.»

Durchaus machbar

Was nach Quadratur des Kreises tönt, ist aus Sicht der Spezialisten mit vereinten Kräften durchaus machbar. Die TIBA AG hat sich mit der Fachhochschule Nordwestschweiz und der auf Abgasreinigung bei Holzheizungen spezialisierten Firma Oekosolve AG zusammengeschlossen, um im Rahmen eines durch Innosuisse (Schweizerische Agentur für Innovationsförderung) mitfinanzierten Forschungsprojekts das vorhandene Wissen in ein innovatives Spitzenprodukt fliessen zu lassen. Bühler betont: «Wir möchten ganz einfach, dass die vielen Vorteile der Holzenergie nicht mehr wegen der Feinstaubemissionen unter die Räder kommen.» Es werden weiterhin alle gesetzlichen Rahmenbedingungen für das Inverkehrbringen, die Inbetriebnahme und den Betrieb von Feuerungen eingehalten.

Erst ein Ofen

Zusätzlich soll das vor allem in Deutschland und Österreich, aber auch in weiteren Ländern bekannte Umweltzeichen «Blauer Engel» (www.blauer-engel.de) genutzt werden. Es zeichnet den emissionsarmen Ofen als in seiner Kategorie betreffend Umwelt- und Gesundheitsschutz führendes Produkt aus. Das im Dezember 2019 eingeführte Label «Blauer Engel für Kaminöfen» (DE-ZU 212) stellt sehr strenge Anforderungen bezüglich der Schadstoffemissionen – der Grenzwert für Feinstaub liegt bei 15 Milligramm pro Kubikmeter – und bietet den Konsumentinnen und Konsumenten eine Orientierungshilfe beim Kaufentscheid. Bis heute gibt es erst einen einzigen Ofen, der den Standard erfüllt. Bei diesem Ofen ist der elektrostatische Partikelabscheider aber oben im Kamin positioniert, was die Installation erheblich erschwert und verteuert. Ziel des vorliegenden Forschungsprojekts ist die Entwicklung zur Marktfähigkeit des europaweit ersten Speicherofens mit einer vollen und kompakten Integration der zur Emissionsreduktion erforderlichen Massnahmen und Komponenten im Gerät selbst. Damit fallen aufwendige, schwierige und teure Massnahmen bei der Installation und Pflege (Kaminfeger) des Gerätes vor Ort weg.

Start mit Prototyp

Das Konzept des emissionsarmen Holzofens sieht vor, einen modernen, gut konstruierten Ofen mit zusätzlichen Komponenten zu ergänzen. Dazu gehören ein Katalysator, ein elektrostatischer Partikelabscheider, eine Regelung der Luftzufuhr durch motorbetriebene Luftklappen sowie eine permanente Überwachung des Verbrennungsprozesses. Ein Feuerungsmonitor überwacht alle relevanten Prozesse und zeigt dem Betreiber allfällige Fehlfunktionen oder den optimalen Zeitpunkt zum Nachlegen von Holz auf. Die Zusatzausrüstung hat die Aufgabe, den komplexen Vorgang der Holzverbrennung während der gesamten Abbrandphase im optimalen Zustand und den Einfluss des Betreibers möglichst klein zu halten. Beispielsweise entfällt die manuelle Einstellung der Luftklappen, und der richtige Zeitpunkt des Nachlegens von Holz wird angezeigt. Das Zusammenspiel und die Ausgestaltung der Komponenten sollen zunächst mit einem Prototyp verstanden und optimiert werden. Besonders anspruchsvoll sind dabei die Anforderungen einer Wohnraumfeuerung an das Design und die gute Sichtbarkeit der Flammen, die mit einem zweiten, seriennahen Prototyp validiert und umgesetzt werden sollen. Die gewonnenen Erkenntnisse fliessen schliesslich in serienreife Geräte, die voraussichtlich 2023 auf den Markt kommen werden.

Weiter Verschärfungen
Da sich die Vorschriften und Grenzwerte für kleinere Holzfeuerungen wohl weiter verschärfen werden und in dicht besiedelten Gebieten Betriebsbeschränkungen für Wohnraumfeuerungen drohen (beispielsweise in Stuttgart bereits umgesetzt!), ist die Entwicklung von Geräten mit dem Umweltzeichen «Blauer Engel» eine vorausschauende Massnahme, damit man sich überall und jederzeit auch in Zukunft am behaglichen Holzfeuer in der guten Stube erfreuen kann. Für die schweizerischen Produzenten von Wohnraumfeuerungen ist die Innovation eine Chance, ihre Produkte langfristig im eigenen Land zu verkaufen sowie eine erfolgreiche Exportstrategie fahren zu können.

„Ein Ofen mit modernster Filtertechnik unter CHF 8’000 möglich ist“

Ein Gespräch mit Lukas Bühler, er ist Inhaber und Geschäftsführer der TIBA AG und hat an der Universität Fribourg Betriebs- und Umweltwissenschaften studiert. Die TIBA beschäftigt rund 100 Mitarbeiter und ist in den Bereichen Heizungsbau (Biomasse, Wärmepumpen), Öfen und Herde sowie Stahlküchen tätig.

Holzenergie Schweiz: Sollen Bauherrschaften mit dem Kauf eines neuen Ofens warten, bis der neue Ofen auf dem Markt ist?
Lukas Bühler LB: Nein, ich denke nicht. Erstens erfüllen alle heute auf dem Markt verfügbaren Öfen die aktuellen Luftreinhalte-Vorschriften und zweitens wird es noch etliche Jahre dauern, bis sich die neue Technologie im breiten Stil durchsetzt. Viel wichtiger ist das korrekte Betreiben der heutigen Öfen: gutes Holz, nicht zu viel Holz, korrektes Anfeuern etc.

Schon heute hört man oft, gute Wohnraumfeuerungen seien (zu) teuer. Wo ist die Schmerzgrenze beim Preis?
Bei uns kosten die günstigsten Öfen knapp unter CHF 3’000.- und die teuersten knapp über CHF 14‘000.-. Ein kurzer Blick in unsere Statistiken 2019 und 2020 zeigt, dass der Median bei CHF 5’300.- liegt. Wir denken, dass ein Ofen mit modernster Filtertechnik unter CHF 8’000.- möglich ist.

Werden Sie Ihre Erkenntnisgewinne anderen Firmen zur Verfügung stellen?
An unsere Partnerfirmen ja. Möglich wäre auch eine Lizenzierung an andere Firmen, denn das würde der Marktdurchdringung sicher helfen, wovon schliesslich alle profitieren: Die Umwelt und die Hersteller.

Wo sehen Sie die Wohnraumfeuerungen im Jahr 2030?
Die Bedienung und das Design werden nur unwesentlich anders sein, aber punkto Emissionen werden wir ganz andere Möglichkeiten sehen. Vergleichen Sie ein Auto von 1990 und 2020: Die haben beide ein Steuerrad und Brems- und Gaspedal, unterscheiden sich aber massiv im Verbrauch und in den Schadstoffemissionen. Damit Wohnraumfeuerungen einen grösseren Teil zur CO2-neutralen Energiestrategie beitragen können, müssen wir in diese Richtung gehen.


Projektbeschreib
Kleine Holzheizungen sind wegen ihrer teilweise hohen Feinstaubemissionen im Fokus der Behörden. Zwar erfüllen die Produkte der seriösen Anbieter die Anforderungen der Luftreinhalte-Verordnung LRV schon heute, aber sie können trotzdem hohe Emissionen ausstossen, wenn sie falsch betrieben werden. Um den möglichen negativen Einfluss der Betreiber zu verringern, hat sich die Firma TIBA AG mit der Fachhochschule Nordwestschweiz und dem Abgasreinigungsspezialisten Oekosolve AG zusammengeschlossen. Die Partner wollen mit einem Innosuisse-Forschungsprojekt einen extrem schadstoffarmen Holzofen entwickeln, der praktisch nicht mehr falsch betrieben werden kann. Der Ofen soll das Umweltzeichen «Blauer Engel» erhalten und durch volle Integration aller Komponenten zur Abgasreinigung, gutes Design, sichtbare Flamme und einen bezahlbaren Preis glänzen. Geplante Projektdauer: 2021 bis 2023.

Text: Christoph Rutschmann, im Auftrag von Holzenergie Schweiz

1 Kommentare
> alle lesen
b.f. @ 01. Feb 2021 07:21

Muss umbedingt onhne Strom funktionniren für mich, sonst ist es ein no go!

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