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23. Nov 2020

Seit fünf Jahren gelten neue Vorschriften für den Umgang mit Holzaschen. Am 1. Schweizer Holzasche-Kongress tauschte sich die Branche über den aktuellen Stand aus der Holzascheproblematik und - verwertung aus. Bild: Holzenergie Schweiz

1. Schweizer Holzasche-Kongress: Von Rahmenbedingungen und Aschequalität über Forschung und Deponierung bis hin zu Pflanzenkohle und Betonindustrie

(Holz Energie Schweiz) Der 1. Schweizer Holzasche-Kongress vom 12. November 2020 war ein Erfolg. Das grosse Interesse, die engagierte Nutzung des Chats sowie die durchwegs positiven Rückmeldungen zeigen, dass das Thema in der Branche «angekommen» ist und dass ein wachsendes Bedürfnis nach Information und Austausch besteht. Der Weg bis zur sinnvollen Verwertung aller Holzaschen ist noch weit. Der Kongress hat der Holzenergiebranche aufgezeigt, wo sie auf diesem Weg überall noch Hausaufgaben zu erledigen hat. (Texte en français >>)

Seit fünf Jahren gelten neue Vorschriften für den Umgang mit Holzaschen. Mit Unterstützung durch das Bundesamt für Umwelt BAFU im Rahmen des Aktionsplans Holz erarbeiteten der Schweizerische Verband für Umwelttechnik SVUT und Holzenergie Schweiz zwischen 2018 und 2020 im Rahmen des Projekts «HARVE Holzaschen – Aufkommen, Verwertung und Entsorgung» entsprechende Grundlagen.

Über 100 Teilnehmende
Zum Abschluss des Projektes organisierten der SVUT und Holzenergie Schweiz, unterstützt vom BAFU, am vergangenen 20. November 2020 gemeinsam und als Webinar den 1. Schweizer Holzasche-Kongress. Über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer liessen sich über die aktuellen Rahmenbedingungen sowie den Stand von Forschung, Entsorgung und Verwertung von Holzaschen informieren.

Synergien ausbauen
Als Gastgeber der ursprünglich in Windisch vorgesehenen Fachtagung stellten die Professoren Timothy Griffin und Peter Stuber das Institut für Biomasse und Ressourceneffizienz sowie den Studiengang Energie- und Umwelttechnik an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Windisch vor. Dabei zeigte sich für die Holzenergiebranche, dass die bereits heute genutzten Synergien noch weiter ausgebaut werden könnten.

Aktuellen gesetzlichen Grundlagen
In Vertretung von Kaarina Schenk von der Sektion Abfall und Rohstoffe des Bundesamts für Umwelt BAFU stellte Maurice Jutz von der Effizienzagentur Schweiz AG die aktuellen gesetzlichen Grundlagen und die wichtigsten laufenden Forschungsprojekte vor, mit welchen der Vollzug der Abfallverordnung im Bereich der Holzaschen möglichst zweckmässig gestaltet werden soll. Wichtige Themen sind hier etwa die Stöchiometrie der Chromatreduktion auf den Schlackendeponien oder die ab November 2023 vorgeschriebene Schwermetallrückgewinnung von Flugaschen aus der Verbrennung von Altholz.

Anlagebetrieb entscheidend
Beat Müller, Schmid AG Energy Solutions, schlug den spannenden Bogen von den Holzaschen zum konkreten Betrieb der Holzenergieanlagen. Dabei zeigte er eindrücklich auf, dass Massnahmen bei den Anlagen durchaus möglich sind, um die Qualität der produzierten Holzaschen gerade auch im Hinblick auf deren zukünftige Verwertung zu verbessern. Diese Massnahmen sind zu weiten Teilen kongruent mit Massnahmen zur Verbesserung der Effizienz oder der Schadstoffemissionen (z.B. Vermeidung von starken Lastschwankungen). Mit einer besseren Parametrierung der Feuerung auf den jeweiligen Brennstoff kann die Aschequalität deutlich verbessert werden. Das gilt für die Minimierung von Fremdteilen und Verunreinigungen im Brennstoff.

«Keinen Staub aufwirbeln». Unter diesem Titel und mit grossem Praxisbezug zeigte Toni Portmann, Amstutz Holzenergie AG, auf, dass ein staubfreier Ablad der Holzaschen auf der Deponie heute möglich ist. Voraussetzung dafür ist, dass «man sich mit der Materie anfreundet».

Thematik Altholz-Flugaschen
Stephan Fromm, Zentrum für nachhaltige Abfall- und Ressourcennutzung ZAR, ging anschliessend näher auf die Flugaschenaufbereitung aus der Altholzverbrennung nach 2023 ein. Für Rostfeuerungen ist die Beimischung von Altholz-Flugaschen zu KVA-Filteraschen technisch gut möglich. Für Wirbelschichtfeuerungen ist die Mitbehandlung mit KVA-Filteraschen zwar herausfordernd, aber ökologisch sinnvoll.

Aschen als Dünger, Aschen in der Bauindustrie…
Rainer Schrägle, Bundesgütegemeinschaft Holzasche e.V., Rutesheim (D), beschäftigt sich seit Jahren mit der Verwertung von Holzaschen als landwirtschaftlichem Dünger. Dank der Integration der gesamten Branche und einem ausgeklügeltem Prüfverfahren können Holzaschen aus der Verbrennung von naturbelassenem Holz in Deutschland ein Zertifikat erlangen, welches ihre Ausbringung als Dünger in der Land- und Forstwirtschaft ermöglicht.

Mathias Meier, Firma Logbau AG, stellte in seinem Beitrag den Ragazer Erdbeton REB vor, welchem seit einigen Jahren Holzaschen aus der Verbrennung von naturbelassenem Holz beigemischt werden. Ziel war es, Stoffkreisläufe zu schliessen und Stoffe zu verwerten, anstatt zu entsorgen. Das Projekt ist ökonomisch und ökologisch zwar sinnvoll, aber trotzdem kein Selbstläufer.

Zuschlagsstoff in Zement- und Betonindustrie
Holzaschen dürfen gemäss Abfallverordnung als Zumahl- und Zuschlagstoff bei der Herstellung von Zement und Beton verwendet werden. Peter Kruspan, Holcim (Schweiz) AG, stellte die Resultate einer umfangreichen Analyse von zahlreichen Holzaschen vor und leitete daraus 3 Forderungen seitens der Zementindustrie an die Anlagenbetreiber ab:

  1. Die Holzaschen müssen trocken und getrennt nach Rost-, Zyklon- und Filteraschen eingesammelt sein.
  2. Die Betriebs- und Verbrennungsqualität der Anlagen ist zu verbessern.
  3. Fremdteile und Verunreinigungen des Brennstoffes müssen vermieden werden.

Auch als landwirtschaftlicher Dünger
Ebenfalls mit der Verwertung von Holzaschen befasst sich Sokrat Sinaj, Agroscope. In seinem Referat zeigte er auf, dass sich Holzaschen durchaus als landwirtschaftlicher Dünger eignen würden. Dies vor allem auch deshalb, weil die Holzaschen zwar Schwermetalle enthalten, diese jedoch für die Pflanzen wenig bis gar nicht verfügbar sind.

Pflanzenkohle speichert CO2 im Boden
Josef Wüest, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fachhochschule Nordwestschweiz, zeigte auf, dass sich bei der Produktion von Pflanzenkohle nicht nur der Ascheanfall gegenüber «konventionellen» Holzfeuerungen um den Faktor 10 bis 50 reduziert, sondern dass dadurch auch CO2 für lange Zeit im Boden gespeichert werden kann.

Michael Tobler, Tobler Holz & Forst Consulting, präsentierte zum Schluss die wichtigsten Resultate des Projektes Harve. Die Mengengerüste der Holzaschen und ihr regionaler Anfall sind heute gut bekannt. Auch liegen dank der in verschiedenen Kantonen durchgeführten Umfragen Angaben über die vorhandene Infrastruktur, die Logistik, die Art der Zwischenlagerung etc. vor. Die wichtigsten Informationen sind im Leitfaden «Entsorgung von Holzaschen» zusammengefasst.

Text: Holzenergie Schweiz

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