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26. Okt 2019

Unterschiedliche Längen, Feuchtigkeiten und Holzarten werden von Beat Gremminger wunschgemäss bereitgestellt und geliefert, sei es in Bündeln, Säcken, Harassen oder kundeneigenene Behältern fast beliebiger Grösse. Bild: Ch. Rutschmann

Lieferanten wie Beat Gremminger sind wichtig für die Versorgung der Stückholzfeuerungen. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielen die 250‘000 Schweizer Waldbesitzende, die oft ihr eigenes Holz in ihrer eigenen Anlage nutzen. Bild: Ch. Rutschmann

Holzofenbäckerei: Feuert jeden Tag mit vom Holzlieferanten selber bereitgestelltem Holz

(Holzenergie Schweiz) Die preisgekrönte Holzofenbäckerei Mohn in Weinfelden braucht jede Woche mehr als einen Ster feingespaltenes Hartholz – vorwiegend Buche und Esche – sowie harzig duftende Föhrenspreissel für das Anfeuern. Die prasselnde Holzhitze braucht es für knuspriges Meisterbrot. Das Holz stammt ausschliesslich aus den Wäldern der Umgebung. Der Mann, der das Holz liefert, ist mit Leib und Seele ein Hölziger. Für ihn ist die Holzbereitstellung nicht einfach nur ein Job, sondern eine Leidenschaft. Wir begleiten ihn einen Tag lang bei seiner Arbeit. (Text en français >>)

Gerade ist die Sonne aufgegangen und taucht die grosse Halle in sattes Licht. Berge von Stämmen und grosse Beigen aus Meterspälten verströmen einen angenehmen Waldgeruch. Der Boden ist mit Sägespänen bedeckt, die Schritte federn angenehm. Zu dieser frühen Stunde betritt Beat Gremminger seine Wirkungsstätte. Zuerst wirft er prüfende Blicke auf die Holzvorräte und Werkzeuge. Alles ist an seinem Platz. Heute stehen Grobes und Feines auf dem Programm. Und Spezielles: „Falls gewünscht, liefere ich Scheiter von 20, 40 oder gar 70 cm Länge. Das bekommt man fast nirgends mehr“, erklärt er und füllt eine Einrichtung zum Stapeln und Ablängen von Meterspälten. Gerade jetzt ist der Kleinauftrag einer Kundin an der Reihe, die für ihren Holzherd 20 Zentimeter lange, feine Scheiter braucht. Mit geübten Griffen startet er die Motorsäge. Späne fliegen, es ist laut. Vier Schnitte später liegt ein Haufen dicker und kurzer Spälten auf dem Boden, die in der nächsten Viertelstunde zu feinen Scheitern gespalten und in handliche Kistchen abgefüllt werden. „Das reicht wieder für zwei bis drei Wochen“, resümiert Gremminger und nimmt einen Schluck Tee aus der Thermoskanne. Für die Jahreszeit ist es schon frühmorgens zu warm. Die strenge körperliche Arbeit ist schweisstreibend.

Noch etwa 47‘000 Holzherde
In der Schweiz sind 2018 gemäss Holzenergiestatistik noch etwa 47‘000 Holzherde in Betrieb, die über 30‘000 Ster Holz nutzen. Ihre Zahl ist zwar stetig abnehmend, weil viele Anlagen in alten Häusern verschwinden, aber ein gewisser Trend zurück zur ursprünglichen Art des Kochens ist spürbar. Einige Hersteller im In- und Ausland produzieren heute moderne Herde, auf denen sich schadstoffarm, effizient, stromfrei und CO2-neutral kochen lässt.

Auch Anfeuerholz für die Holzofenbäckerei
Nun folgt das Grobe: Die Entnahme eines Föhrenenstammes aus der mächtigen Beige. Die Arbeit mit dem Handsappie (Zapin) und dem Wendeheber ist nicht ungefährlich. Nötigenfalls heisst es blitzartig fliehen, wenn die Stämme polternd ins Rollen kommen. Routiniert und sicher wird die Föhre zwischen Buchen und Eschen herausgearbeitet und liegend in Rugel abgelängt. Ein betörender Harzgeruch verbreitet sich, und Beat Gremminger erklärt: „Selten hat es bei den Föhren mal einen Einschluss Kienholz darunter. Das ist vollständig harzgetränktes Holz, das sich beim Anzünden fast wie ein petrolgetränkter Lappen verhält. Kienholzspäne verteile ich meinen guten Kunden als Zückerchen. Damit wird das Feueranzünden zum Vergnügen. Früher wurde Kienholz auch als Lichtquelle genutzt, weil es schön hell und gleichmässig brennt.“ Aus dem Föhrenstamm steht das Herstellen von Anfeuerholz für die Holzofenbäckerei in der Stadt auf dem Programm: Die Stammrugel werden in mehreren Schritten immer feiner gespalten, bis die Spreissel noch einen Umfang von maximal 8 cm haben. Mit solchem Holz hat man im Nu ein schönes Feuer entfacht. Jeden Monat braucht die Bäckerei einen ganzen Ster Anfeuerspreissel.

Holzofenbrot liegt im Trend
Es ist leider nicht bekannt, wieviele Holzofenbäckereien in der Schweiz heute in Betrieb stehen. Ihre Zahl hat aber in den letzten Jahren deutlich zugenommen, denn Holzofenbrot liegt im Trend. Die Installation eines Holzbackofens hat vielen Bäckereien und Konditoreien neuen Auftrieb verliehen. Holz und Brot sind eine perfekte Verknüpfung lokaler und regionaler Dienstleistungen und erzeugen willkommene Wertschöpfung und sichere Arbeitsplätze: Förster und Bäckerin – ein Dreamteam.

Feinstaubabscheider des Holzofens
Der Hunger meldet sich, die Uhrenzeiger rücken gegen Mittag vor. Das Einkaufen der Mahlzeit wird praktischerweise mit einer Holzlieferung an die Bäckerei verknüpft. Ein Ster feiner Buchenscheiter aufs Fahrzeug laden und ab geht die Post. Die Anlieferung ist praktisch organisiert, so dass sich das Abladen und Einschichten in die dafür vorgesehenen Behälter effizient bewerkstelligen lässt. Neben den Behältern steht ein technisches Ungetüm mit zahllosen Röhren, Leitungen und Kabeln. Es ist der Feinstaubabscheider des Holzofens. Er garantiert sehr tiefe Emissionen und die problemlose Einhaltung der Grenzwerte der Luftreinhalte-Verordnung LRV. Das Gerät hat inklusive Installation 45‘000 Franken gekostet. Sein Betrieb und Unterhalt schlägt jährlich mit 6‘000 Franken zu Buche. Gremminger wird von den Mitarbeitenden in der Bäckerei herzlich begrüsst, man kennt und schätzt sich. Er verlässt den Laden mit einem herrlich duftenden, noch warmen Holzofenbrot und freut sich auf ein herzhaftes Waldfest (Cervelat mit Brot und Senf).

In Bündeln, Säcken, Harassen
Am Nachmittag stehen drei Brennholzlieferungen und das Spalten von Buchen- und Eschenholz an. Es gibt Kleinstkunden, die zwei Kistchen kleine Scheiter wünschen. Andere beheizen ihre grossen Häuser und brauchen locker 15 bis 20 Ster pro Jahr. Das Holz wird nach Wunsch in verschiedenster Art angeliefert. Manchmal kann Gremminger die Ladung einfach auf den Hausplatz leeren, andernorts ist das Holz zuhinterst im Garten oder im dritten Stock des Hauses fein säuberlich aufzubeigen. Unterschiedliche Längen, Feuchtigkeiten und Holzarten werden wunschgemäss bereitgestellt und geliefert, sei es in Bündeln, Säcken, Harassen oder kundeneigenene Behältern fast beliebiger Grösse.

1.7 Millionen Ster Holz
Die Stückholznutzung in der Schweiz wird oft deutlich unterschätzt. Gemäss Holzenergiestatistik des Bundesamts für Energie sind 2018 etwa 522‘000 Stückholzheizungen (ohne offene Cheminées) in Betrieb, die zusammengenommen etwa 1.7 Millionen Ster Holz nutzen. Damit ersetzen die Anlagen etwa 300‘000 Tonnen Heizöl und entlasten die Atmosphäre jährlich um fast eine Million Tonnen CO2. Die Anlagentechnik ist heute sehr weit entwickelt, die Geräte halten die 2018 verschärften Grenzwerte der Luftreinhalte-Verordnung LRV problemlos ein. Die Stückholzversorgung ist dezentral organisiert und braucht insgesamt sehr wenig graue Energie. Zu den Stückholzheizungen zählen Kaminöfen, geschlossene Cheminées, Holzherde sowie Holzzentralheizungskessel.

250‘000 Schweizer Waldbesitzende
Lieferanten wie Beat Gremminger sind wichtig für eine effiziente und professionelle Versorgung der Stückholzfeuerungen. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielen die 250‘000 Schweizer Waldbesitzende, die oft ihr eigenes Holz in ihrer eigenen Anlage nutzen. Zusammen stellen sie sicher, dass auch in Zukunft zahlreiche Stückholzfeuerungen aus dem einheimischen Holz emissionsarme und CO2-neutrale Wärme produzieren.


Drei Fragen an Beat Gremminger

Wo kaufen Sie das Holz?
Beat Gremminger: Von meinen Försterkollegen aus der Umgebung von Weinfelden.

Wieviel Brennholz produzieren Sie jedes Jahr?
Es sind etwa 150 Ster in unterschiedlichster Form.

Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Ihren Produkten?
Mein Geschäft ist seit vierzehn Jahren ein willkommener Nebenerwerb. Die Nachfrage hat sich dank den Weiterempfehlungen meiner Stammkunden stetig positiv entwickelt.


Text: Christoph Rutschmann, Holzenergie Schweiz

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