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08. Nov 2013

Rot die Pelletpreise von September 2010 bis 2013, blau Heizöl- und gelb die Erdgas in Rp. pro kWh. Pellets waren seit Ende 2007, dem Beginn der Preiserhebung von pelletpreis.ch, nur gerade zwischen Dezember 2008 und Dezember 2009 teurer als Heizöl.

Markt: Pellets aus der Schweiz, dem angrenzenden Ausland und bald aus Übersee?

(©AN) Pellets werden knapp in Europa: Österreich plant erstmals Pellets aus den USA zu importieren. Die Schweizer Pelletbranche sieht zuversichtlich in die Wintersaison, die Lager seien voll. Trotz steigenden Pelletpreisen ist ein kWh Heizöl rund 20% teurer als eine kWh Pellets.


Fr. 414.17 kostete eine Tonne Pellets im November 2013 gemäss der unabhängigen Preiserhebung von pelletpreis.ch, rund 4.34 % mehr als 2012 und 6.3 % mehr gegenüber 2011. Pellets bleiben trotzdem deutlich günstiger als Heizöl: 8.37 Rp. kostete im Oktober 2013 eine Kilowattstunde Pellets, eine Kilowattstunde Heizöl und Erdgas dagegen 10.03 Rp.

Schweizer Markt
Pellets sind beliebt: Jedes Jahr werden neue Pelletheizungen eingebaut, 2012 waren es in der Schweiz an die 1500 Anlagen. Insgesamt stehen in Schweizer Kellern 21‘600 Pelletheizungen (inkl. Pelletöfen), vom Einfamilienhaus über Mehrfamilienhäuser bis hin zu Schulhäusern oder grossen Einkaufszentren. Rund 185‘000 Tonnen Pellets wurden gemäss dem Branchenverband proPellets.ch 2012 in der Schweiz verbraucht, um die 155‘000 wurden auch hier produziert, der Importanteil betrug 2012 ca. 20 %. Gerade im Sanierungsbereich, wenn schlechte Dämmung und Radiatoren hohe Vorlauftemperaturen verlangen, sind Pelletheizungen sehr zu empfehlen. Aber auch in Neubauten mit Niedrigtemperaturheizungen machen Pellets Sinn. Aufgrund von milden Wintern und einem Überangebot an Pellets, das auf hohen Produktionsmengen und einer tiefen Nachfrage gründete, waren die Pelletpreise im angrenzenden Ausland in den letzten Jahren sehr tief, so tief, dass kaum mehr in neue Produktionsanlagen investiert wurde. Auch die Schweizer Produzenten waren aufgrund des Überangebots gefordert, denn dazu kam noch der hohe Schweizer Franken. Doch Überproduktion und tiefe Preise können schnell in Verknappung und höhere Preise umschlagen, wie ein Blick nach Österreich zeigt.

Österreich: Massnahmen gegen Unterversorgung
„In Österreich hatten wir im Frühjahr 2013 eine klare Unterversorgung“, erklärt Christian Rakos, Geschäftsführer von proPellets Austria und Präsident des European Pellet Councils EPCI. „Die Händler haben mehr Pellets nachgefragt, als verfügbar waren.“ Ursache des Engpasses: seit Jahren werden in Europa kaum neue Pelletieranlagen errichtet – teilweise aufgrund der Wirtschaftskrise, teilweise auch weil ausreichende Kapazitäten vorhanden waren. Prognosen des Branchenverbands proPellets Austria zeigten, dass sich die Unterversorgung vom Frühjahr in den Herbst und Winter hineinziehen könnte. Hauptursache ist der europaweit stetig steigende Bedarf. Rakos: „Der Bedarf in Mitteleuropa ist in den letzten zwei bis drei Jahren jährlich um 800‘000 bis 900‘000 Tonnen gestiegen. Um die Versorgungssicherheit und die Preisstabilität zu gewährleisten, haben wir im Juni einen Workshop mit österreichischen und internationalen Händlern durchgeführt.“ Ziel war, Kontakte herzustellen, die gemäss Christian Rakos mittlerweile zu Verträgen geführt haben: „Wir gehen davon aus, dass in der Heizsaison 2013/2014 bis zu 5 % des österreichischen Bedarfs an Pellets aus den USA importiert werden.“ Das hat zu einer Entspannung des Markts in Österreich geführt. „Auch wenn wir als Branchenverband nicht ganz glücklich sind, dass wir Pellets aus Übersee einführen, hat für uns die Versorgungssicherheit der Kunden die höchste Priorität. Zudem würde eine extreme Verteuerung, wie wir sie im Jahr 2006 als Folge einer Unterversorgung erlebt haben, unserem Markt sehr schaden und von den Konsumenten nicht verstanden werden.“ Was die Ökobilanz betrifft, sind lokal produzierte Pellets natürlich im Vorteil. Der Energieeinsatz für den Pelletimport aus den USA ist durch den Transport auf dem Seeweg aber vergleichsweise niedrig und so wird auch mit Importpellets eine CO2-Reduktion von rund 80 % gegenüber Heizöl erreicht. Christian Rakos geht davon aus, dass in Deutschland aufgrund der Nähe zu Rotterdam, dort docken die meisten Frachtschiffe mit Pellets an, der Anteil an Pellets aus Nordamerika möglicherweise noch höher ist als in Österreich. „Mit den aktuellen Preisen machen die Händler aber nicht das grosse Geld – Importware kann mit der heimischen Produktion preislich gerade einmal mithalten, denn die Transportkosten sind doch sehr hoch“, erklärt Rakos.


Internationaler Handel nimmt deutlich zu
Markante Steigerungen im internationalen Handel mit Pellets weisen die aktuellen EUROSTAT Daten aus. Die in die EU importierten Pelletmengen im ersten Halbjahr 2013 waren um 42% höher als im Vergleichszeitraum des Vorjahrs. Hauptexporteur waren die USA und Kanada. Hauptimporteur mit zwei Drittel der Menge war England, das im ersten Halbjahr fast 2 Millionen Tonnen Pellets importierte. Diese werden in Kraftwerken für die Produktion von Ökostrom eingesetzt.



Rückverfolgbare
ENplus zertifizierte Pellets
Landi, die grösste Pellethändlerin der Schweiz, ist gewappnet für die Heizsaison 2013/2014. Jürg Schneeberger, Leiter der Abteilung Holzpellets: „Auch wenn der Winter streng sein sollte, wir haben genügend Pellets am Lager.“ Landi verkauft fast nur noch ENplus zertifizierte Pellets, die es den Kunden erlauben, die Herkunft der Pellets bis zum Urproduzenten zurückzuverfolgen (siehe Kasten). „Unsere Pellets stammen zum grossen Teil aus der Schweiz, aber ein kleiner Teil zur ganzjährigen Versorgungssicherheit auch aus dem angrenzenden Ausland. Der Kunde kann dank unserer Zertifizierung als ENplus Händler genau erfahren, wo die Pellets, die wir liefern, produziert wurden.“ Jürg Schneeberger weist ausserdem darauf hin, dass der Branchenverband proPellets.ch ein monatliches Marktmonitoring führt: „Wir wissen folglich, wie viele Pellets verkauft werden, wie viele Pellets am Lager und wie hoch die Lagerkapazitäten sind und natürlich auch, wie viele Kessel in den Schweizer Kellern stehen.“ Ganz ausschliessen will der Pelletfachmann nicht, dass in den nächsten Jahren Pellets aus Übersee auch in die Schweiz gelangen könnten: „Aus Versorgungs- und Preisstabilitätsgründen wäre das möglich. Würden diese von Rotterdam über den Rhein nach Basel verschifft, wäre die Ökobilanz wohl noch besser, als wenn Pellets per Lastwagen aus norddeutscher Produktion in die Schweiz gebracht würden.“ Aber auch bei Importpellts sei wichtig, den Kunden zu informieren, wo sie hergestellt würden.

Nur Schweizer Pellets

AEK Pellets produziert in Balsthal Pellets aus Sägemehl, die wenn nötig vor der Pelletierung mit Erdgas getrocknet werden. Das Unternehmen vertreibt vorwiegend über sein Händlernetz: „Wir stehen für eine regionale Pelletproduktion. Holz hat es genügend in der Schweiz, “ erklärt Peter Lehmann, Leiter Verkauf der AEK Pellets AG, der sich auch gegen einen Handel mit Pellets über die Landesgrenzen ausspricht. „Selbst wenn der nächste Winter sehr kalt sein sollte, unsere Lager sind voll, kein Kunde wird auf Pellets warten müssen.“ Den Preisanstieg führt der Pelletfachmann nicht auf eine Verknappung im süddeutschen Raum und in Österreich zurück: „Grund ist der Rückgang des Rohstoffs.“ AEK Pellets sind ENplus zertifiziert.

Der Direktimporteur

Auf die Frage nach einer möglichen Verknappung antwortet Bernd Hagen des österreichischen Pelletherstellers Ländle Pellets, der direkt in die Schweiz importiert: „Ob es im Gesamtmarkt zu einer Verknappung kommen wird, ist schwer zu sagen. Unser Unternehmen hat für die kalten Monate vorgesorgt und kann seine Stammkunden sicher mit Pellets versorgen.“ Dafür würden im Sommer externe Lager gefüllt. Er fügt an: „Der Markt für Pellets ist sehr komplex. Deswegen sind zukünftige Entwicklungen auch schwer vorherzusagen. Mit einem Rückgang der Preise ist in der nächsten Zeit jedenfalls nicht zu rechnen.“ Die Pelletproduktion von Ländle Pellets ist nicht ENPlus zertifiziert.

Kaffeesatzlesen

50‘000 Tonnen Pellets wird die Tschopp Holzindustrie in Buttisholz dieses Jahr produzieren. Daniel Tschopp, Leiter der Pelletabteilung: „Das Geschäft ist hart, vor allem aufgrund des fehlenden Rohstoffes. Erfreulicherweise können wir uns zu 50 % mit eigenem Rohstoff aus der Schalungsplatten- und Schalungsträgerproduktion versorgen.“ Der Holzfachmann stellt eine deutliche Preissteigerung der Rohstoffkosten fest, beim Rundholz sei das im Moment rund 10 %. „Die Zeichen stehen aber unserer Ansicht nach noch nicht so schlecht. Ich denke, wir werden gut durch den Winter kommen.“ Als grösster Pelletproduzent weist Tschopp darauf hin, dass die Industrie auch einen angemessenen Preis brauche, um in neue Produktionskapazitäten zu investieren, das sei in den letzten Jahren nicht der Fall gewesen. „Und Pellets kosten auch, wenn sie am Lager bleiben und nicht verkauft werden können, dann saust der Preis wieder in den Keller. Das könnte uns diesen Winter passieren, falls er mild werden sollte. Heute vorauszusagen, wie die Situation nächsten Frühling sein wird, das ist wie Kaffeesatzlesen!“

Schweizer Naturholzpellets Verein
Die Braunschweiler Pellets AG, Holzbau Zenger und Best Pellets Wärme AG produzieren Pellets aus Waldholz und ohne die Zugabe von Presshilfmitteln, wie sonst üblich, sozusagen „Bio Pellets“. Ernst Braunschweiler erklärt: „Wir haben den Verein diesen Sommer gegründet, weil wir der Meinung sind, dass regionale Waldholzpellets in den Heizungen zum Einsatz kommen sollten.“ Gemäss dem sich in Bearbeitung befindenden Reglement darf nur Schweizer Holz pelletiert werden: „Stamm und Äste sowie Rinde können pelletiert werden. Um holzverarbeitenden Betrieben entgegenzukommen, darf auch das Sägemehl von importiertem Holz verwendet werden, sofern es im eigenen Betrieb verarbeitet wird.“ Alle drei Produzenten produzieren nach dem Zenger- und BestPellet- und Verfahren, bei dem im Gegensatz zur herkömmlichen Pelletierung kein Bindemittel beigegeben wird. Will man seine Pellets mit dem Label des Schweizer Naturholzpellets Vereins  schmücken, darf man nur Bindemittel beifügen, sofern diese vollständig deklariert sind. Getrocknet werden darf das Holz aus dem Wald ausschliesslich mit erneuerbaren Energien.


ENplus – Das neue Qualitätssiegel für Pellets
Das neue Siegel ENplus für Holzpellets kontrolliert die gesamte Bereitstellungskette von der Herstellung bis zur Anlieferung beim Endkunden und gewährleistet damit eine hohe Qualitätssicherheit und umfassende Transparenz. Mit strengeren Grenzwerten als bisher sorgt das Zertifikat für die Kontrolle und Kennzeichnung von Premiumpellets. Weitere Informationen: www.enplus-pellets.ch


©Text: Anita Niederhäusern, leitende Redaktorin ee-news.ch, Herausgeberin pelletpreis.ch

1 Kommentare
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CH-Pellet Hochpreis Motzi @ 19. Feb 2014 21:52

In der Schweiz sind Pellets leider immer noch ca 20% teurer als in D und ca 25% teurer als in AT.
Es werden von den Grosshändlern auch billige D und AT Pellets importiert und zu CH-Preisen verkauft. Da wird kräftig verdient. Ich sehe keinen Grund für diese überhöhten Preise. Wir haben auch eine viel tiefere Mwst da sollten tonnen Preise von ca CHF 360 locker zu schaffen sein. So lägen wir immer noch 10 % über EU Preisen, was ich für angemesse halte. Der Rest ist ein Fall für den Preisüberwacher.

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